Von süß bis extra scharf

Wer schon einmal in Ungarn gewesen ist und dort einen Markt besucht hat, dem ist an den Gemüseständen bestimmt die unglaubliche Vielzahl an Paprikaarten aufgefallen. Diese Stände sind dann entsprechend der Farbenpracht ihres Angebotes recht bunt, und beim Einkaufen muss man sich entweder gut auskennen, oder man muss mit dem Händler reden. Wer da einfach so zugreift, erlebt unter Umständen eine Überraschung, die er eine Weile nicht vergessen wird. Da gibt es den harmlosen Gemüsepaprika, den wir auch hierzulande in jedem Supermarkt bekommen.

Chili hat Geschmack

Der rote, orange und gelbe schmeckt dann normalerweise fruchtig und süßlich, während der grüne manchmal leicht bitter schmeckt, was sich beim Kochen jedoch verliert. Auch unter den anderen Sorten, die mal lang gestreckt, oder aber klein und dick sind, gibt es welche, die ganz ähnlich schmecken und ebenfalls der Kategorie „harmlos“ zuzurechnen sind. Tja, und dann sind da noch die anderen…

Bei einigen denkt man noch: „Oh…, scharf!“, bei anderen vergeht einem einfach nur noch Hören und Sehen! Insbesondere Menschen, die scharfes Essen nicht gewohnt sind, ringen buchstäblich nach Luft und wissen gar nicht mehr, wohin mit sich. Es ist durchaus unterhaltsam, bei so etwas zuzuschauen, doch der oder die Betroffene hat tatsächlich das Gefühl, in Flammen zu stehen. Dann hilft nur noch Milch und trockenes Brot. Wenn man die Attacke auf Mund und Rachenraum überstanden hat, schmeckt man für eine ganze Weile gar nichts mehr. Das ist Chili! Trotz der engen Verwandtschaft zum Gemüsepaprika, der ja an und für sich auch schon sehr gesund ist, hat Chili durch seine bisweilen umwerfende Schärfe noch weitere Eigenschaften, die es tatsächlich zum Superfood machen.

Die Geschichte des Chili

Bis in die Renaissance war dieses Gemüse in Europa unbekannt. Wer sein Essen scharf haben wollte, nahm Pfeffer, so er ihn sich leisten konnte. Erst nach der Entdeckung Amerikas kam die Pflanze auch nach Europa. Ausgrabungen zufolge wurde Paprika jedoch schon 7000 Jahre v. Chr. In Mexiko kultiviert. Durch entsprechende Zucht entstanden dort auch bereits verschiedene Arten.
Heute werden Paprika und Chili in vielen Ländern der Erde angebaut. Der weitaus größte Produzent ist China. Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die scharfes Essen bevorzugen, und man kann sich sogar daran gewöhnen. Denn die im Mund und Rachenraum enthaltenen Nervenenden verlieren durch den regelmäßigen Genuss scharfer Speisen ihre Sensibilität.

Scharfes Superfood Chili

„Superfood“ ist ein Marketingbegriff für Nahrungsmittel, die mehr können, als satt machen. Das gilt auch für Chili. Es klingt seltsam, aber so verbrannt man sich nach dem Genuss von Chili auch fühlen mag, es hilft, um Schmerzen und Entzündungen abklingen zu lassen. Verantwortlich dafür ist der Wirkstoff Capsaicin. Je schärfer einen Chili ist, desto mehr Capsaicin ist darin enthalten. Übrigens ist dieser Stoff nicht wasserlöslich. Daher bringt es auch nichts, das Inferno nach dem Biss in das Chili mit Wasser bekämpfen zu wollen.
Sofern man es mit den Mengen und der Schärfe nicht übertreibt, kann Chili eine sehr gute Verdauungshilfe sein.

Es kann bei Diabetes, wie auch bei zu hohem Cholesterin eine Hilfe sein, wenn es konstant gegessen wird. Auch Übergewicht kann damit bekämpft werden. Denn einerseits erhöht Chili das Sättigungsgefühl und andererseits bewirkt die Wärmewirkung der Chilis, dass die Körpertemperatur steigt. Das führt zur Verbrennung von mehr Kalorien. Natürlich klappt das nur, wenn man Chili zum Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung macht. Es wird nicht viel helfen, einfach nur Chilisoße auf die sonst üblichen Portionen zu geben.

Chili ist nicht gleich Chili

Wer Chili einfach einmal ausprobieren möchte, sollte sich informieren, womit er anfängt. Denn es gibt inzwischen sehr viele unterschiedliche Chiliprodukte auf dem Markt, die sich gegenseitig im Schärfegrad überbieten. Dieser Schärfegrad wird in Scoville (1912 von einem Pharmakologen gleichen Namens entwickelt) gemessen. Normaler Gemüsepaprika hat 0-10 Scoville, was noch nicht einmal als Schärfe wahrnehmbar ist. Eine Peperoni liegt bei 100-500 und die bekannte Tabascosoße 2500-5000. Doch das liegt in der Scoville-Skala noch lächerlich weit unten. An der Spitze liegt zur Zeit die Chilisoße mit dem klangvollen Namen „Mad Dog 357 No.9 Plutonium“ mit sage und schreibe 9 Millionen Scoville!

Das wird dann nur noch von reinem Capsaicin in Kristallform übertroffen (15-16 Millionen Scoville). Allerdings wird hier das Tragen von Schutzbrille und Handschuhen empfohlen, und vom Verzehr wird ausdrücklich abgeraten. Nun, das muss ja vielleicht nicht sein, wenn man dem, was man so kocht, einfach nur ein wenig Pep verleihen möchte. Hier genügen die Soßen, die man im Supermarkt kaufen kann, völlig. An dieser Stelle seien vor allem die Asien-Supermärkte empfohlen, die in dieser Hinsicht gut sortiert sind.