Aus dem Amazonas Gebiet

In Europa wurde Guarana erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt. Ein Missionar beschrieb die Pflanze mit der anregenden Wirkung in einem seiner Berichte. Bereits viel länger kannten die Indiovölker Amazoniens die auffällig roten Kapselfrüchte, die im Urwald an bis zu 12 Meter hohen Ranken wuchsen. Auf das Volk der Guarani ist letztlich auch der heute verwendete Name zurückzuführen. Schon die Indios entdeckten, dass die getrockneten und zerriebenen Früchte mehr konnten, als nur gute Stimmung zu erzeugen. Deshalb nutzten sie diese auch zu medizinischen Zwecken. Heute wird Guarana in Ländern wie Brasilien in Plantagen angebaut.

Allerdings gibt es noch immer Indiostämme, die wild wachsende Früchte einsammeln und sie selbst zu Pulver verarbeiten. Durch den Verkauf des so erzeugten Guarana Pulvers decken manche Stämme ihren gesamten Finanzbedarf. Auf den Plantagen und auch bei den Ureinwohnern erfolgen Ernte und Verarbeitung früher wie heute von Hand. Versuche, die Pflanze zum Zweck einer einfacheren Verarbeitung zu kultivieren, schlugen fehl. Selbst Anbauversuche außerhalb des südamerikanischen Regenwaldes scheiterten. So führten die spezifischen Anforderungen der Pflanze an ihr Milieu dazu, dass das äquatoriale Lateinamerika quasi das Monopol auf Guarana hat.

Die wirtschaftliche Nutzung der Pflanze lohnt sich, denn das hellbraune Pulver findet mittlerweile weltweit in der Lebensmittelindustrie Verwendung. Durch die aufwendige Produktion liegt der Preis für Guarana deutlich über dem von Kaffee, mit dem es in seiner Wirkung immer wieder verglichen wird. Wo auch immer eine aufputschende und leistungsfördernde Wirkung gefragt ist, also bei Energieriegeln, Energy Drinks und vergleichbaren Produkten, ist Guarana gefragt. In Brasilien selbst wird eine landestypische Limonade hergestellt, die dort allgemein als „Guaraná“ bekannt ist und gerne getrunken wird. Getränke dieser Art sind in Lateinamerika beliebter als Coca-Cola oder Pepsi.

Superfood Guarana

Von Superfood ist immer dann die Rede, wenn ein Lebensmittel nicht nur schmeckt, satt macht, oder den Durst löscht, sondern darüber hinaus noch über besondere Fähigkeiten verfügt. Ähnlich wie der Granatapfel, Ingwer oder das Gewürz Curcuma hat auch Guarana ein für den menschlichen Körper vielfältiges Wirkungsspektrum. Lange galt Guarana nur als eine Art Kaffeeersatz, doch das Pulver kann beträchtlich mehr. Tatsächlich erhält man durch die Vermengung des Pulvers mit Wasser ein Getränk, das Kaffee zumindest nicht unähnlich ist. Allerdings muss bei Guarana unbedingt mit Honig oder ähnlichem nachgesüßt werden, da der Genuss ansonsten eine äußerst bittere Erfahrung werden würde.

Guarana

Der hohe Koffeingehalt, der den von Kaffee um das Dreifache übertreffen kann, sorgt für eine spürbare Anregung bis hin zu einer deutlichen Stimmungsverbesserung. Dabei hält dieser Zustand dann auch noch beträchtlich länger an, als man das vom Kaffee her kennt. Trotz des höheren Koffeingehalts gilt Guarana im direkten Vergleich dazu als schonender und besser verträglich für den Organismus. Doch über die vitalisierende Wirkung hinaus hat die Forschung für dieses pflanzliche Produkt noch weitere positive Eigenschaften entdeckt. So wird einerseits die Verdauung gefördert, andererseits schwinden Hunger- und Durstgefühle.

So wird Guarana für Menschen mit Übergewicht, oder aber auch mit Magen- und Darmbeschwerden interessant. Das braune Pulver hat außerdem eine fiebersenkende Wirkung und hilft gegen Kopfschmerzen. Es ist förderlich für die Durchblutung und verbessert das körperliche Immunsystem. Damit kann es ohne Zweifel vielen pharmazeutischen Produkten durchaus Konkurrenz machen.

Der Mainstream als Chance

In vielen Gesellschaften wird immer mehr Leistung im Alltag eingefordert. In der Schule und im Studium fängt der daraus resultierende Druck bereits an. Im Beruf kann man sich keine Schwäche leisten, weder physisch, noch psychisch. Alles muss immer schneller gehen, Fehler gelten als unverzeihlich und hundertprozentige Aufmerksamkeit sowie die volle Leistung werden praktisch ständig eingefordert. Für viele bewirkt das Vernetzt sein durch die Telekommunikation, dass sie eigentlich auch in ihrer Freizeit nie ihre Ruhe haben. Wer hier für den Alltag ein Hilfsmittel sucht, der wird an Produkten mit Guarana kaum vorbeischauen können.

Die darin enthaltenen Stoffe wirken nicht nur gegen Konzentrations- und allgemeine Leistungsschwächen, sondern wirken nach den Ergebnissen der Lebensmittelforschung sogar antidepressiv. Allgemein betrachtet kann man durchaus sagen, dass Guarana ein wirksames Mittel gegen die Volkskrankheit Stress darstellt. Doch auch im Freizeitbereich haben sich die Ansprüche der Menschen verändert. Man möchte Spaß haben und möchte schlank, fit und sportlich sein!

Während also der allgemein belebende Einfluss von Guarana den Spaß zwar nicht garantiert, aber doch zumindest fördert, dürfte die bereits beschriebene Wirkung gegen Übergewicht bei vielen Menschen auf große Begeisterung stoßen. Als besonders willkommen erweist sich die nachgewiesene Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit im Fitnessbereich. Die „Fitnessindustrie“, von der man mittlerweile spricht, ist ein riesiger Markt, für alles, womit man länger durchhält und weiterkommt. In diesen Bereichen ist Guarana ein pflanzliches und für den Körper schonendes Mittel, um Körper und Geist bei den anstehenden Aufgaben zu unterstützen.

Nicht ohne Risiken

Allerdings gilt auch für ein Produkt wie Guarana trotz seiner vielfältig wohltuenden Wirkungen das gleiche, wie für so gut wie alle anderen Dinge, die man zu sich nehmen kann. Die Unterstützung und Anregung des Organismus erfolgt dann, wenn eine normale Dosierung erfolgt. Übertreibt man es damit, kann die an sich positive Wirkung schnell ins Negative umschlagen. Aus dem beschleunigten Herzschlag kann dann auch Herzrasen werden.

Die verbesserte Durchblutung wird zu Bluthochdruck und kann zu Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwächen führen. Menschen, die regelmäßig starken Kaffee trinken, werden die Situation kennen, die entsteht, wenn sie ihren Kaffee morgens einmal nicht trinken. Man wird irgendwie nicht richtig wach, man kommt nicht auf Touren und man merkt deutlich, dass einem etwas fehlt – etwas Wichtiges! Nun, was man dabei spürt, ist eine Form der Abhängigkeit.

Der Körper vermisst seine übliche Dosis Koffein und reagiert entsprechend. Genau das gleiche kann auch beim regelmäßigem, vor allem aber bei übertriebenem Konsum von Guarana geschehen. Merkt man das, so reicht es jedoch, die tägliche Dosis langsam auf ein vernünftiges Maß zu senken. Menschen, die ohnehin einen zu hohen Blutdruck haben, sollten gänzlich auf den Genuss von Guarana verzichten. Das gleiche gilt für Schwangere.

Verwendung

Während sich der Markt für Energy Drinks, von denen viele Guarana als Zusatzstoff beinhalten, in Europa eher langsam entwickelt, erfreuen sich diese Getränke in den USA und in China großer Beliebtheit. Alleine Red Bull, der Marktführer in diesem Bereich, verzeichnet teilweise von Jahr zu Jahr wachsende Umsatzsteigerungen im zweistelligen Bereich. Allerdings sind diese Getränke nicht unumstritten. Vor allem in der Kombination von Energy Drinks mit Alkohol wird eine Gefahr gesehen. Denn die enthemmende Wirkung des Alkohols geht dabei eine unheilvolle Allianz mit der Empfindung einer Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit ein. Man kann sich vorstellen, welche bizarre Auswirkungen ein übermäßiger Konsum auf einen Menschen haben kann.

In Bioläden kann man Guarana auch in Pulverform kaufen. Daraus kann man dann selbst heiße und kalte Getränke zubereiten, oder man benutzt es bei der Zubereitung von Gebäck als Zutat. Förderlich wirkt in diesem Zusammenhang das gesteigerte Interesse vieler Kunden an Naturprodukten und pflanzlicher Ernährung. Hier spielt natürlich auch der Wunsch nach einer Alternative zu Kaffee eine Rolle. Allerdings muss man für Guarana beträchtlich tiefer in die Tasche greifen. Je nach Herkunft und Reinheit des Guarana muss man im Vergleich zu Kaffee durchaus mit einem mehrfachen Kilopreis rechnen.

Die Nutzung in Schokoriegeln und Kaugummis war ursprünglich wohl eine Idee aus der Bodybuilding-Szene. Mittlerweile ist die Nahrungsmittelindustrie jedoch dazu übergegangen, solche Produkte auch allgemein auf dem Markt einzuführen.
Außerdem gibt es Guarana vor allem im Internet als Kapseln und Tabletten zum Einnehmen. Hierbei ist dann die Rede von mehreren Einheiten pro Tag, um sozusagen „über die Runden“ zu kommen. Mit dem Koffeingehalt variiert natürlich die Wirksamkeit der verschiedenen Produkte. Menschen, die das probiert haben, erzählen jedoch, dass man von einer überwältigenden Müdigkeit förmlich niedergestreckt wird, sobald die Wirkung nachlässt, oder wenn man womöglich einmal vergessen hat, an die nächste Tablette zu denken.

Guarana als Bio-Doping?

Auf einer ganzen Reihe von Internet-Plattformen wird Guarana mittlerweile als eine Art Wundermittel angepriesen, wie dies auch mit vielen anderen pflanzlichen Produkten gemacht wird. Glaubt man den Worten, mit denen das Produkt auf vielen dieser Seiten beworben wird, so könnte man glauben, die regelmäßige Einnahme würde im Handumdrehen alle Probleme lösen, mit denen man so belastet ist. Das reicht bis zur Verwendung des Begriffes „Bio-Doping“. Dabei wird ins Positive gerückt, was aus dem Sport eigentlich eher als negativ und anrüchig bekannt ist. Für Menschen, die entweder leichtgläubig oder aber verzweifelt genug sind, mag eine solche Anpreisung verlockend sein, doch das führt nicht daran vorbei, dass Guarana für den Organismus nur unterstützend ist.

Nicht mehr und nicht weniger! Wer abnehmen möchte, der wird mit oder ohne diese Unterstützung nicht an seinem Fahrrad, den Laufschuhen, dem Schwimmbad und einer vernünftig umgestellten Ernährung vorbeikommen. Es ist auch kein Ersatz für das Büffeln in der Schule oder im Studium. Und wer unter zu viel Stress leidet, der sollte vielleicht eher einmal sein Lebensmodell überdenken, als Präparate zu nehmen, selbst wenn es sich nur um ein pflanzliches handelt.

Auch wenn Guarana unverkennbar einen belebenden Einfluss auf den Körper ausübt und in seiner Wirkungsweise über viele für den Körper positive Eigenschaften verfügt, handelt es sich jedoch gewiss nicht um ein Wundermittel. Dass Guarana bei den Indios bereits vor mehreren hundert Jahren als Medizin bekannt war, ist richtig. Aber die Indios brauchten auch keine medizinische Antwort auf die Probleme heutiger Tage!