Eine schlichte Frucht mit erstaunlichem Inhalt

Guaven sind hierzulande noch nicht sonderlich bekannt. Das mag vielleicht daran liegen, dass sie optisch eher unprätentiös wirken. Sie haben weder die majestätische Größe und Form einer Ananas, noch die erstaunliche Farbenpracht einer Drachenfrucht. Doch die rundliche bis birnenförmige grüngelbe Frucht mit der leicht unebenen, wachsartigen Schale hat es in sich. Mit nur ca. 35 Kalorien und 6 Gramm Kohlehydrate pro 100 Gramm eigenen sie sich perfekt für eine bewusste und gesunde Ernährung. Guaven besitzen einen hohen Anteil an Mineralstoffen und haben sechs Mal mehr Vitamin C als eine Orange.

Herkunft und Anbau

Der Guavenbaum (Psidium guava) ist ein antikes Obstgehölz, das in Mittelamerika seit tausenden von Jahren angebaut wird. Im 16. Jahrhundert brachten die Spanier und Portugiesen die Pflanze nach Europa, von wo sie ihre Reise nach Indien, Asien und Afrika antrat. Der erste kommerzielle Anbau von Guaven fand 1912 auf einer Plantage in Florida statt. Mittlerweile werden Guaven in vielen tropischen und subtropischen Regionen weltweit angebaut, so z.B. in Florida, Kalifornien, Hawaii, Israel, Ägypten, Indien, Malaysia, Thailand, Südafrika und auch auf Sizilien.

Der immergrüne Guavenbaum, von dem über 100 verschiedene Arten bekannt sind, gehört zur Familie der Myrtengewächse und kann eine Höhe von mehr als 10 Metern erreichen. In der Blütezeit entstehen weiße, magnolienartige Blüten, die wunderbar duften. In drei bis vier Monaten reifen die Früchte heran. Die Ernte in den Anbauländern findet das ganze Jahr über statt. Der Export der frischen Früchte nach Europa erfolgt überwiegend von Oktober bis Mai. Darüber hinaus werden Guaven auch in Dosen, als Sirup, Fruchtmus und schnittfeste Guavenpaste exportiert. In flüssiger Form findet man die Guave hierzulande als Nektar oder als Bestandteil diverser Mulitvitamingetränke.

Die Früchte

Die Guave, die auch Guayaven, Guava, Goiba oder Guyaba oder Quitte der Tropen genannt wird, gehört zu den exotischen Beerenfrüchten. Ihre Form variiert je nach Sorte von kugelig über pflaumenähnlich bis hin zu birnenförmig. Guaven haben eine Größe zwischen 3 und 10 Zentimetern. Das weiche, saftige Fruchtfleisch kann weiß, gelb, rosa oder lachsrot sein und beherbergt unterschiedlich viele kleine Kerne, die beim Verzehr mitgegessen werden können. Der exotisch süß-saure Geschmack der Guave ist schwer zu beschreiben. Er wird oft verglichen mit einer Mischung aus Erdbeeren, Birnen, Pfirsichen, Stachelbeeren und Quitten. In Thailand wird eine besondere Variante angebaut, die Guave Fareng, die bis zu einem Kilogramm schwer werden kann. Sie hat weißes Fruchtfleisch mit wenigen Kernen und schmeckt ähnlich wie ein säuerlicher Apfel.

Reife Guaven sind äußerst druckempfindlich. Daher werden jene Früchte, die für den Export bestimmt sind, ähnlich wie Bananen, im halbreifen grünen Zustand geerntet, damit sie den Transport unbeschadet überstehen. Unreife Guaven sind sauer und hinterlassen ein pelziges Gefühl im Mund. Sie reifen bei Zimmertemperatur nach, ändern dann ihre Farbe je nach Sorte in blassgrün bis tief gelb und verströmen einen wunderbar blumigen Duft. Sind die Guaven reif, wird die Schale weich und gibt bei Druck leicht nach. Dann sollten sie innerhalb von zwei bis vier Tagen verzehrt werden, denn sie sind nicht lange lagerfähig. Halbreife Früchte lassen sich bis zu drei Wochen im Kühlschrank aufbewahren.

Wofür eignen sich Guaven?

Die Guave ist ein Allroundtalent. Man kann sie roh essen wie einen Apfel. Wer den leicht bitteren Geschmack der Schale nicht mag, kann die Frucht auch halbieren und auslöffeln wie eine Kiwi. Guaven sind geeignet für Torten und Kuchen, Obstsalate, Desserts, Milchshakes, Smoothies, Eis und Sorbets, sowie auch für Chutneys und herzhafte Fleischgerichte. Guaven können zu Saft, Fruchtmus, Kompott, Marmelade und Gelee verarbeitet werden.

In Brasilien sehr beliebt ist die Goiabada, eine mit Zucker eingedickte schnittfeste getrocknete Fruchtpaste, die traditionell zu Quadern geformt und in kleinen Holzkästchen verkauft wird. Sie ähnelt dem bei uns bekannten Quittenbrot. Zum Nachtisch essen die Brasilianer gerne die Goiabada com Queijo (Guave mit Käse). Dazu werden aus der Fruchtpaste und einem weißen Kuhmilchkäse, genannt Minas, kleine Scheiben oder Stücke geschnitten und zusammen serviert. Aufgrund der Tatsache, dass diese beiden Komponenten so perfekt zueinander passen, wird dieser Nachtisch auch „Romeu e Julieta“ (Romeo und Julia) genannt. Man kann die Goiabada ganz leicht selbst herstellen und hat dann eine gesunde Alternative zu Gummibärchen und Co. In Vietnam verzehrt man unter anderem auch Guaven, die noch nicht vollständig ausgereift sind. Man isst sie in Scheiben geschnitten mit Fischsoße, Chili, Salz und Zucker.

Was macht die Guave so gesund?

Neben dem bereits erwähnten erstaunlichen Gehalt an Vitamin C, welches unerlässlich ist für die Funktion unseres Immunsystems, enthalten Guaven folgende lebenswichtige Inhaltsstoffe:

  • Vitamine der B-Gruppe – Sie sind unerlässlich bei der Aufspaltung der Nahrung, der Entsorgung von Giften aus dem Körper und zur Erneuerung der Zellen.
  • Folsäure – gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Sie stärkt Zähne und Zahnfleisch und bekämpft Mundgeruch. Besonders in der Schwangerschaft sollte man genügend Folsäure zu sich nehmen, da sie Missbildungen beim Fötus und eventuellen Frühgeburten vorbeugt.
  • Provitamin A (Retinol) – stimuliert die Zellproduktion der Haut und der Schleimhäute, unterstützt den Stoffwechsel und ist wichtig für die Sehkraft.
  • Beta-Karotin – wirkt antioxidativ und bekämpft freie Radikale im Körper.
    Es schützt vor erhöhtem Cholesterinspiegel und verhindert so Arteriosklerose, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann.
  • Kalzium – stärkt das Skelett und spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelfunktion, der Blutgerinnung, dem Herzrhythmus und bei wichtigen Stoffwechselvorgängen.
  • Kalium – spielt eine zentrale Rolle für die Reizweiterleitung des Nervensystems und die Regulation des Wasserhaushalts im Körper. Es reguliert den Blutdruck, ist Bestandteil der Verdauungssäfte im Magen-Darm-Trakt und sorgt für eine gute Arbeit der Muskulatur.
  • Eisen – ist essentiell für die Bildung von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. Ohne diesen sind die roten Blutkörperchen nicht in der Lage, den Sauerstoff in unserem Körper zu transportieren. Eisenmangel führt zu diversen Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Konzentrationsproblemen.
  • Phosphor – sorgt für die Festigkeit von Knochen und Zähnen und spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau der Zellwände.
  • Thyamin – unterstützt die Funktion unseres Nervensystems.
  • Pektin – ist ein Ballaststoff, welcher im Magen aufquillt und somit schneller satt macht. Eine Eigenschaft, die man sich beim Abnehmen idealerweise zu Nutze machen kann.

Anwendung in der Medizin

Über viele Jahrtausende wurden Blätter, Rinde und Früchte des Guavenbaumes von indianischen Regenwaldbewohnern als Heilmittel eingesetzt. Nach der weltweiten Verbreitung der Pflanze haben deren medizinische Eigenschaften auch in andere Kulturen Eingang gefunden.

Die dunkelgrünen, ledrigen, gerippten Blätter des Guavenbaums besitzen Inhaltsstoffe, die antiseptisch wirken. Daher werden sie in diversen Volksgruppen in zerkleinerter und zerstoßener Form zur Heilung von Wunden, Geschwüren, Schwellungen und Hautkrankheiten äußerlich angewendet. Als Tee wirken Blätter und Rinde gegen Durchfall, Erbrechen, Magen-Darm-Verstimmungen und Menstruationsbeschwerden. Zur Schmerzlinderung bei Zahnschmerzen oder Halsschmerzen wird ein Sud aus den Blättern gekocht, der nach dem Abkühlen als Mundspülung oder Lösung zum Gurgeln Verwendung findet. In Zentralafrika stellt man aus Blättern und Rinde ein Gebräu her, das gegen Würmer, Schwindel, Übelkeit, Fieber, Epilepsie, Cholera, Bronchitis und Schlaflosigkeit getrunken wird.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird aus den Blättern der Guave auf eine recht skurrile Art und Weise eine narkotische Droge gewonnen. Man verfüttert das Laub an die Malaiische Riesengespenstschrecken und verarbeitet deren Kot zu Pillen, die dann in Wasser oder Wein aufgelöst verabreicht werden.

Die positive medizinische Wirksamkeit der Guave wurde in diversen pharmakologischen Studien nachgewiesen. So hat beispielsweise eine Studie der Universität Penang in Malaysia die schmerzlindernde, entkrampfende und narkotisierende Wirkung der Guave bestätigt. Seitdem kommt dort die Guave zunehmend auch in der modernen Medizin als Schmerzmittel und zur Behandlung der Epilepsie zur Anwendung.
In Europa sind mittlerweile getrocknete und pulverisierte Guavenfrüchte in Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.

Guave aus dem eigenen Garten?

Es ist möglich, auch in unseren Breiten Guaven anzupflanzen, wie z.B. die Brasilianische Guave auch Feijoa oder Ananasguave genannt. Die Pflanze ist selbstfertil, d.h. es reicht bereits eine Pflanze, um im Herbst ernten zu können. Die Feijoa ist für Beet und Kübel geeignet, wächst strauchförmig, hat wunderschöne rot-weiße Blüten mit langen Staubgefäßen und ist bedingt winterhart (bei leichtem Frost). Sicherheitshalber sollte man sie aber an einem hellen Ort bei Temperaturen um die 10 Grad überwintern.

Die Bestäubung der sonnenhungrigen und wärmeliebenden Pflanze erfolgt hauptsächlich durch Bienen. Im September/Oktober kann man die stark duftenden, grün gelben, pflaumengroßen Früchte ernten. Sie schmecken leicht säuerlich nach Ananas und Erdbeeren und eignen sich neben dem sofortigen Verzehr auch besonders gut zur Herstellung eines erfrischenden Brotaufstrichs. Hierfür püriert man die Früchte, vermischt sie mit Zucker und füllt sie in Gläser ab. Dieses vitamin- und jodreiche Fruchtmus hält sich im Kühlschrank mehrere Wochen. Eingefrorene Früchte kann man bis zu einem Jahr lang verwenden.